Merle: Vögelchen haben mir gezwitschert, dass ihr heiß wie Frittenfett wart, als ihr an den Start gegangen seid. War das so?
Clemens Lange: Boah, aber hallo. Ich hatte mehr als Bock. Also ich habe schon die 12 Stunden, die ich ungefähr im Wohnmobil sitzen musste, schwer zu kämpfen gehabt, weil ich eigentlich nur los wollte.
Merle: Und wie fühlt ihr euch jetzt nach eurem ersten Einsatz?
Clemens: Ich fühle mich echt gut. Ich habe hammermäßig Durst, weil ich am Ende ein gutes Stück mit dem Shuttle fahren musste und deswegen nicht auf die Toilette konnte. Also ich musste ziemlich doll auf Toilette und konnte deswegen nicht mehr trinken. Aber das ist das einzige Problem. Ich habe nur Durst, aber ansonsten geht es mir super, muss ich sagen. Die Beine fühlen sich noch ziemlich gut an. Ich kann mich aktuell nicht beschweren.
Merle: Ihr hattet auch mit der Hitze zu kämpfen, oder?
Clemens: Ja, also so schlimm war es noch nicht, aber es war schon ordentlich warm. Ich fand die Nacht schon warm mit 30 Grad. Es ist dann aber witziger Weise in der Nacht noch runtergefallen auf 8 Grad. Das war bisschen unerwartet, aber durch das Vorbereitungsrennenin Dänemark, wo wir bei 3 Grad im selben Outfit gefahren sind, waren 8 Grad dann doch nicht mehr so schlimm.
Merle: Zu welcher Ortszeit seid ihr aufs Fahrrad gestiegen?
Clemens: 21 Uhr. Vom Fahrrad gestiegen sind wir jetzt ungefähr um 9 Uhr morgens.
Merle: Und von wo nach wo seid ihr gefahren?
Clemens: Wir sind in Flagstaff gelandet und in Blythe gestartet.
Merle: Also habt ihr wie viele Kilometer hinter euch gelassen?
Clemens: Boah, das müssten 485km gewesen sein.
Merle: Wie seid ihr im Zeitplan? Ich hatte vorher gehört, dass ihr zwischenzeitlich 25 Minuten herausgefahren hattet.
Clemens: Wir waren hammergut im Zeitplan. Dann mussten wir leider mit diesem blöden Shuttle fahren, weil es da eine Strecke gibt, die wir nicht mit dem Fahrrad fahren dürfen. Die Strecke, die wir also mit dem Auto fahren mussten, war aber leider ab einem gewissen Zeitpunkt gesperrt. Da kamen wir aufgrund eines Waldbrandes nicht weiter. Also mussten wirspontan einen anderen Weg finden. Wir sind dann über die Autobahn zu diesem Parkplatz gefahren, wo wir uns treffen mussten. Den Parkplatz haben wir am Ende auch gar nicht wirklich gefunden. Also haben wir ab einem gewissen Zeitpunkt beschlossen, dass wir mich einfach rausschmeißen und ich wieder mit dem Rad losfahre. Und zu dem Zeitpunkt wäre das mit dem Shuttle alles gut gegangen, hätten wir ungefähr eine dreiviertel Stunde auf unseren eigentlichen Zeitplan rausgefahren. Glücklicherweise sind wir doch noch 4 Minuten vom Zeitplan. Aber dafür, dass wir dachten, dass wir eine dreiviertel Stunde schneller sind als der eigentliche Plan, sind die 4 Minuten Vorsprung doch ein bisschen ernüchternd. Aber heißt nicht, dass man da nicht wieder was rausfahren kann. Der größere Vorsprung wäre schon cool gewesen, weil wir in Kansas noch Passagen mit Gegenwind bekommen werden.
Merle: Lohnt es überhaupt noch, nach dem Team von Joey Kelly zu fragen, oder habt ihr die schon so weit hinter euch gelassen?
Clemens: Meine letzte Info war, dass sie 70 Meilen entfernt sind. Das war allerdings noch in der Nacht. Also dementsprechend sind hammerweit weg und nicht mehr in unserer Konkurrenz.
Merle]: Wie ist die Stimmung im restlichen Team, also sowohl bei den Supportern als auch bei den übrigen Racern?
Clemens: Also bis zu dem Zeitpunkt, wo wir diese blöde Straße nicht fahren konnten, war die Stimmung hammergut. Zwischendurch war es bei mir einen Tick schlechter, weil ich durch die Serpentinen, die wir runtergefahren sind im Auto, bisschen mit Übelkeit zu kämpfen hatte. Da musste ich erstmal einen Moment sitzen und warten, bis es besser wurde. Aber zu dem Zeitpunkt musste ich eh nicht fahren, deswegen ging das ganz gut. Aber außerhalb dessen war die Stimmung hammergut, eigentlich konstant die ganze Zeit weg. Macht Bock auf mehr. Jetzt muss man halt diesen einen Tiefschlag überwinden und einsehen, dass es ist jetzt wie es ist. Wir können es halt nicht mehr ändern, versuchen aber wieder ein bisschen Zeit gut zu fahren.
Merle: Wie viel Pause habt ihr jetzt?
Clemens: Wir starten wieder um 23:51 Uhr, also gute 14 Stunden. Ich freue mich auch in der Nacht zu fahren. Ist eigentlich ganz cool.
Merle: Liegt dir noch was auf dem Herzen?
Clemens: Die Supporter machen einen unfassbar krassen Job. Ohne die wäre das ganze Projekt nicht im Ansatz möglich. Sie erfüllen einem alles, was man sich irgendwie wünscht. Es ist der pure Wahnsinn. Das kann man sich nicht vorstellen, wenn man nicht dabei ist. Alle Probleme und Verzögerungen, die wir haben, gehen ja immer zu Lasten der Schlafzeit der Supporter. Deren Job ist minimum genauso anstrengend, wenn nicht sogar anstrengender, weil die halt so wenig Schlaf bekommen. Ja gut, wir müssen ein bisschen in die Pedale treten, aber die schlafen halt super wenig und müssen dann auch noch die ganze Zeit Auto fahren. Es ist schon der pure Wahnsinn, was die Männer hier abreißen.
Merle: Das hören sie bestimmt gerne! Ruht euch ordentlich aus, damit ihr wieder durch die Nacht rasen könnt!
Clemens: Vielen, vielen Dank.


