Merle: Malte, wie viel Schlaf gab es? Seid ihr erholt ins Rennen gestartet?

Malte Dietz: Letzte Nacht habe ich, wenn es hochkommt, 3 Stunden geschlafen. Als meine Schicht geendet ist, mussten wir noch 6 Stunden mit dem Wohnmobil fahren. Der ganze Tross ist nun mal Bewegung und wir müssen ja auch mit dem Wohnmobil hinterherkommen. Aberwährend der Fahrt im Wohnmobil wird man ganz schön durchgeschüttelt. Da kann ich leider nicht pennen. An unserem Ziel standen wir ungefähr 4 Stunden, wovon ich so 3 Stunden geschlafen hab. Das muss reichen.

Merle: Konnte Torben besser schlafen, während ihr gefahren seid?

Malte Dietz: Der hat ein Stündchen geschlafen, würd ich sagen. Man wird haltdurchgeschaukelt und durchgerüttelt und so erschöpft bin ich dann doch nicht, dass ich dabei einfach schlafen kann. Aber vielleicht kommt das ja noch.

Merle: Du sagst also, dass du noch fit bist? Das ist doch gut!

Malte Dietz: Ja, sagen wir einfach mal ja.

Merle: Wie war die Strecke von La Veta bis Greensburg?

Malte Dietz: Die Strecke hat echt richtig schön begonnen. Ich bin Colorado gestartet und die Landschaft da ist wirklich richtig schön. Da kann man richtig schön Radfahren. Und vor allem das Gute war, die Nachtschicht hat sich ja den Berg hochgeschraubt. Ich habe zum Frühstück noch ein paar Höhenmeter bekommen, die schmecken mir auch sehr gut. Aberdanach ging es erst mal in die Abfahrt. Und das macht richtig Spaß, weil man auf richtig schön auf Geschwindigkeit kommt. Ich habe meine schnellste Zeit jemals auf 10 km aufgestellt mit 64 km/h im Schnitt. Von daher, die ersten 4 Stunden waren wir richtig schnell, ging richtig gut, schön bergab durch die wunderschöne Landschaft von Colorado. DieStimmung war natürlich erst mal top und wir haben echt Boden gut gemacht.

Merle: Nun hatten wir von Sören schon gehört, dass der Wind stramm von vorne kommen sollte in Kansas. Wie schlimm war es?

Malte Dietz: Ja, richtig. Als wir langsam Richtung Kansas gekommen sind, war der Wind nicht mehr auf unserer Seite. Braucht man gar nicht um Brei herumzureden: Es gab Vollgaswind von vorne in die Fresse und das war richtig zornig. Ich denke mal so 20 bis 30 km/h Wind von vorne. Da musste man sich auf dem Fahrrad richtig verbiegen. Ich habe da so 300 Watt gedrückt und bin nicht mal 40 km/h gefahren. Das schlägt dir natürlich auf die Stimmung. Erst mal ist es auch mental ein Brett. Die Straße ist schnurgerade, man kann also das Ende nicht sehen. Da ist auch kein Baum, kein Haus, nichts, was Schutz bietet. Dann steht da auf dem Tacho nur 37-38 km/h und man weiß genau, dass wir hier eigentlich 40 km/hfahren müssten. Im Raceplan ist das Stück mit 45 km/h eingeplant, weil sie eine leichte Bergabtendenz hat und der Wind normalerweise von Westen kommt. Wenn der Wind günstig steht, könnte man da mit 50 km/h langfliegen. Aber so mussten wir uns richtig lang machen. Das ist mental wirklich sehr herausfordernd. Da muss man dann wirklich den Kopf runter nehmen und einfach treten.

Merle: Und was hat die Stimmung wieder hochgerissen?

Malte Dietz: Im Team reißt man sich irgendwie immer gegenseitig hoch. Jetzt zum Ende hin ist der Wind zum Glück ein bisschen abgeflacht, sodass dann doch wieder die 40 auf dem Tacho stand. Dann geht die Stimmung natürlich sofort wieder nach oben. Und das Gute war auch, dass die Leute von der nächsten Schicht uns ein Stück entgegengekommen sind. Ich bin jetzt 14 Stunden auf dem Rad gewesen und selbst bei mir werden langsam die Beinchen müde. Im Gegenwind sind frische Beine richtig wertvoll. Dafür dürfen wir morgen ein wenig nachsitzen. Da soll der Wind aber besser stehen, deswegen sind wir den Deal gerne eingegangen.

Merle: Du musst du mir erzählen, was da an Torbens Fahrrad provisorisch geklebt wurde.

Malte Dietz: Wir haben ja selbstgebaute Cockpits aus dem 3D-Drucker, die Leif für uns gemacht hat. Die sind natürlich besonders aerodynamisch und besonders schnell. Hinten in den Racecars ist aber leider nicht so viel Platz für die Fahrräder. In der Hektik beim Herausnehmen des Fahrrades ist vorne am Cockpit leider ein Griff zum Festhalten abgebrochen. In solchen Fällen muss man erfinderisch werden. Eine Menge Klebeband und gute Hoffnung hat das Ding wieder zusammengeflickt.

Merle: Hoffentlich hält das. Torben selber sagte mir gerade, dass er den ‚letzten‘ Einzelstarter überholen durfte und vor dieser Leistung seinen Helm zieht. Außerdem ist er das erste Mal 100km/h auf seinem Rad gefahren. Gab es neben deinem persönlichen 10km-Rekord noch etwas Herausragendes?

Malte Dietz: Gute Frage. Das war wohl eher ein Lowlight, aber war trotzdem herausragend. Ich habe leider eine Abbiegung verpasst und bin geradeaus gefahren. Da hatte Matthias zum Glück blitzschnell reagiert und ist sofort rausgegangen auf die Strecke und hat mir dadurch so ein bisschen den Tag gerettet.

Merle: Wie fühlst du dich jetzt gerade?

Malte Dietz: Die Stimmung wieder gut. 14 Stunden in den Beinen ist doch ganz schön anstrengend. Und von daher bin ich froh, jetzt im Camper zu sein. Ich habe schon warm geduscht und jetzt freue ich mich auf was zu essen und dann hoffentlich später ein bisschen Schlaf. Die Motivation im Team lässt den Traum vom Streckenrekord noch am Leben. Wir hängen aktuell ein bisschen hinter dem Zeitplan, aber das bekommen noch rausgefahren.

Merle: Dafür müsst ihr fit sein. Auf dass ihr hoffentlich mehr als 3 Stunden Schlaf finden werdet. Macht’s gut!

Malte Dietz: Super. Vielen, vielen Dank!

Leave A Comment