Merle: Wie war die Nachtschicht? Habt ihr euch ans Fahren in der Dunkelheit gewöhnen können?

Leif Johannsen: Ich würde ja sagen. Die Schicht, die wir abgelöst haben, Torben und Malte, hatten sehr doll mit Gegenwind zu kämpfen und waren ziemlich kaputt. Wir denen ca. 35 km entgegengekommen und haben unsere somit Schicht früher begonnen. Schlussendlich waren das jetzt fast 16 Stunden, die wir gefahren sind. Das ist natürlich anstrengend. Ich hatte morgens gegen 5 Uhr ein kleines Tief, aber zum Ende wurde es wieder richtig gut und hat richtig viel Spaß gemacht. Die Sonne war wieder da und die Temperaturen waren perfekt, also nicht zu heiß, nicht zu kalt. Das Einzige, was uns natürlich überhaupt nicht in die Karten gespielt hat, war, dass wir eigentlich die ganze Zeit Gegenwind hatten. Zwar nicht doll, aber immer so 10-15 km/h, so dass es halt unseren Schnitt gedrückt hat und wir immer mehr Zeit verloren haben.

Merle: Wie bist du aus dem Tief morgens um 5 wieder rausgekommen?

Leif Johannsen: Man muss halt sehr auf den Körper hören. Und wenn man merkt, dass man gar nicht mehr kann, muss man halt schauen, woran liegt’s. Also entweder hat man zu wenig Elektrolyte oder zu wenig Kohlenhydrate oder zu wenig Flüssigkeit. Ich habe dann ein bisschen rumprobiert. Es ist natürlich dann auch schwierig, wenn man schon so lange unterwegs ist. Man muss halt eine Menge essen und dann ist einem meistens übel. Trotzdem muss man schauen, dass man irgendwie noch etwas in sich reinkriegt. Da müssen dann die richtigen Snacks parat liegen. Bei mir waren das eingelegte Gurken, die mich gerettet haben.

Merle: Wie doll hat die Zeitstrafe auf die Stimmung gedrückt?

Leif Johannsen: Die Zeitstrafe hat natürlich nicht zur positiven Stimmung beigetragen(Erklärung zur Zeitstrafe weiter unten). Also das war natürlich ein richtiger Downer. Da war die Stimmung für die nächsten 4 Stunden erst mal ziemlich am Tiefpunkt. Das hat sich erst wieder gedreht, als die Sonne aufgegangen ist und so auch die Motivation wieder da war. Aber wie gesagt, auch ohne die Zeitstrafe hatten wir schon eine Menge Zeit verloren durch den Gegenwind. Wir sind guter Dinge, aber es wird nicht leicht, die ganze Zeit noch aufzuholen. Da muss man sich gegenseitig motivieren und trotzdem das Beste geben.

Merle: Und weißt du, wie ihr aktuell im Zeitplan seid?

Leif Johannsen: Wir haben jetzt gewechselt mit einem Rückstand von 1 Stunde 19 Minuten. Das heißt, mit der Zeitstrafe wären es theoretisch 2 Stunden 19 Minuten. Das ist ja allerdings nur diese prognostizierte Zeit. Wenn man jetzt die Zeit und die gefahrenen Kilometer anguckt, sind wir noch immer bei 40,2 km/h im Schnitt. Und mit dieser Durchschnittsgeschwindigkeit wären wir, glaube ich, so ungefähr eine halbe Stunde vor Rekord. Aber wir haben auch noch einige Höhenmeter vor uns, dementsprechend wird der Schnitt ziemlich sicher auch noch fallen, außer es passiert irgendwas Unvorhergesehenes.

Merle: Ihr habt einen weiteren Bundesstaat durchquert. Ist Missouri schöner als Kansas?

Leif Johannsen: Ja, auf jeden Fall. Kansas ist glattes Land, du kannst in alle Richtungen 300 Kilometer gucken, kein einziger Baum, nur Sträucher und Rinderfarmen ohne Ende. Ich habe die Strava-Einheit von Anfang bis Ende durchgestoppt. Laut der bin ich 160 km gefahren, Benny ist auch ungefähr 160 km gefahren, und dann sind ja noch 2 weitere Radfahrer in dem Stint dabei. Das heißt, wir sind über 600 km gefahren und die Einheit ist praktisch ein Strich,wirklich nur ein Strich. Wir sind vielleicht 3 Mal abgebogen in den 600 Kilometern. Die Landschaft wurde dann am Ende ein bisschen schöner. Da ging es ein bisschen hoch und runter, auch ein paar  mehr Bäume, ein paar mehr Städte und mehr Zivilisation. Das wird bestimmt noch interessanter in den nächsten Etappen.

Merle: Hoffentlich. Ihr habt jetzt die Hälfte der Strecke geschafft, oder?

Leif Johannsen: Genau. Etwa um 3 Uhr nachts hatten wir die Hälfte geschafft.

Merle: Wie war das Gefühl, als der Meilenstein erreicht wurde?

Leif Johannsen: Zeitstrafe war da noch so präsent, dass wir eigentlich fast dran vorbeigerollt sind. Ich habe irgendwann in den Tracker reingeguckt und meinte so: „Ach übrigens, so in 6 Meilen sind wir bei der Hälfte.“ Es ging so ein bisschen an uns vorbei. Jetzt geht’s praktisch bergrunter mit den Kilometern Richtung Ziel, und ist auch ein ganz gutes Gefühl. Aber wir haben auch noch eine Menge vor uns.

Raam Amerika: Das stimmt. Konntet ihr nach der letzten Schicht gut schlafen, oder geht’s euch wie den anderen, dass im fahrenden Wohnmobil schlafen einfach schwierig ist?

Leif Johannsen: Also schön ist es natürlich nicht, aber für die Verhältnisse haben wir ganz gut geschlafen. Benni hat glaube ich 5 Stunden geschlafen, ich ein bisschen weniger. Das war eine sehr wilde Fahrt durch Kansas mit dem Wohnmobil. Benny lag schon zu Bett, ich habe noch gegessen und man hat Benny nur auf dem Bett hüpfen sehen. Es geht immer so 20 Meter hoch und dann 20 Meter runter. Und wenn man da mit 120-130 km/h mit dem Camper längs fährt, dann hat man seinen Spaß. Besonders wenn die Straßen nicht so gut asphaltiert sind. Aber ja, wir sind beide sehr erholt in die Schicht gegangen. Was auch gut war, weil wir ja wie gesagt eine sehr lange Schicht hatten und den anderen gut ein bisschen was abnehmen konnten.

Merle: Wie schnell habt ihr fahren können trotz dauerhaftem Gegenwind?

Leif Johannsen: Ich hatte 40,2 km/h im Schnitt über die gesamte Schicht. Benny hatte ein bisschen mehr, 40,6 km/h glaube ich. Die Leistungswerte waren sehr gut. Die Geschwindigkeit hätte gerne höher sein können. Für unsere Schicht waren 52,7 km/h prognostiziert. Das konnten wir leider nicht erreichen bei Gegenwind. Das ist nicht drin gewesen.

Merle: Wie lange habt ihr jetzt Pause?

Leif Johannsen: Wir fahren jetzt noch 4 Stunden mit dem Camper zu unserem nächsten Wechsel. Dann noch 7 Stunden Stehzeit, bevor es wieder losgeht.

Merle: Bock oder kein Bock?

Leif Johannsen: Im Moment geht’s mir ganz gut, weil ich auch gut aus der letzten Schicht rausgegangen bin. Mal schauen, wie gut wir schlafen können. 2 Schichten haben wir noch vor uns, die noch anstrengend werden. Besonders wenn der Rekord uns immer weiter entgleiten wird. Das wird er hoffentlich nicht.

Merle: Das wird er nicht. Ganz sicher. Schlaft gut Jungs!

 

Zeitstrafe

In der Nacht wurde dem Team eine Zeitstrafe von einer Stunde verhängt. Die zuvor vom Veranstalter persönlich gelobten fliegenden Wechsel bei Nacht, die dank des zweiten Racecars immer regelkonform im Scheinwerferlicht des Autos vollzogen wurden, darf das Team nun doch nicht machen. Stattdessen müssen stehende Fahrerwechsel durchgeführt werden, die mehr Zeit in Anspruch nehmen. Aber auch hier kann der Vorteil des Nightcars genutzt werden, weil ein Auto sofort hinter dem neu gestarteten Radfahrer fahren kann, während das andere Racecar den abgelösten Radfahrer samt Fahrrad verlädt.

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