Merle: Moin Clemens! Du hast auch immer ein Grinsen im Gesicht. Bist du nicht irgendwann mal müde?

Clemens Lange: Nö, ich habe Bock. Ich wollte gar nicht aufhören jetzt.

Merle: Wie lange wart ihr unterwegs?

Clemens Lange: Meine erste Einheit ist um 8:39 Uhr gestartet und meine letzte Fahrt war um 20:32 Uhr.

Merle: Und wie war das?

Clemens Lange: Gut. Natürlich ist es ein bisschen zäher als am Anfang und man hat keine Lust mehr, irgendwas zu essen. Aber man verbraucht pro Fahrt ungefähr 200 bis 350 Kalorien. Wenn du das 15 Mal machst, ist das ganz schön viel. Dazu überspringt man noch die Hauptmahlzeit, das Mittagessen. Da kommst du nicht hinterher und wenn du nichts isst, hast du irgendwann keinen Treibstoff mehr. Aber sonst war es gut. Die Strecke heute war echt geil. Es war sehr viel hoch und runter und zum Teil lange Passagen, die schön flach waren, wo wir Norddeutsche endlich mal unsere Qualität zeigen konnten. Die Anstiege, die wir hatten, waren Rolling Hills. Immer schön hoch und runter, sodass man den Bergabschwung gut mitnehmen kann, um wieder auf den Hügel hochzukommen. Das bringt sehr viel Spaß. Und da konnten wir auch Zeit rausholen. Ich weiß nicht, wie viel, aber ein bisschen was haben wir rausgeholt. Sören und Torge sitzen gerade am Tisch und rechnen aus, was für einen Schnitt wir jetzt noch zu fahren haben, damit wir das alles schaffen. Aber es sieht eigentlich aktuell ganz gut aus.

Merle: Du klingst ein wenig zuversichtlicher als Benny vorhin.

Clemens Lange: Ja klar. Wir haben häufig gerechnet unterwegs. Bin mal gespannt, was Sören gleich ausrechnet. Zwischendurch hieß es, dass wir nur noch einen 35er-Schnitt fahren müssten. Dann hieß es, wir müssen 38 km/h fahren, um unser Ziel zu erreichen. Das ist ja aber entspannt im Gegensatz zu 40 km/h oder 43 km/h. Aber klar, es kommen noch ein paar Anstiege, aber das Stück, was wir jetzt gefahren sind, das rollte ganz gut.

Merle: Würdest du dann wieder behaupten, dass es deine beste Schicht war?

Clemens Lange: Die Werte waren ziemlich ähnlich. Aber ich glaube, ich würde sie auf Platz 2 setzen. Ich glaube, die gestrige Geschichte war noch ein bisschen geiler. Man hat sich jetzt eingerollt, weißt du. Jetzt bist du warm, jetzt bist du heiß. Ich habe eigentlich keinen Bock, dass es morgen zu Ende ist.

Merle: So ein Mist aber auch, dass ihr so schnell gefahren seid.

Clemens Lange: Das hier ist doch alles ein großes Fest. Jeder gibt sein Bestes, die Supportersowie die Fahrer. Man ist einfach über die Zeit und die paar Tage davor, richtig zusammengewachsen. Einige von den Leuten kannte man schon vorher. Malte und Matthias kennen sich beide schon sehr lange, aber der Rest ja nicht unbedingt. Das ist schon hammercool. Deswegen ist es fast schade, dass es bald schon zu Ende ist.

Merle: Gab es noch etwas Besonderes an eurem Streckenabschnitt?

Clemens Lange: Fast vergessen. Wir werden gemobbt. Die RaceMarshalls haben es jetzt ganz schön auf uns abgesehen. Die fahren sehr viel bei uns und kontrollieren die ganze Zeit, was wir machen. Das grenzt schon an Schikane. Ab 19.00 Uhr, wenn das Night-Racecarwieder dabei ist, bleibt das ja die ganze Zeit hinter dem Radfahrer, während das andere Racecar den nächsten Wechselpunkt sucht. Dann sind die Marshalls neben uns hergefahren und haben uns ausgeschimpft, dass wir hier viel zu langsam fahren. Wir können ja aber auch nicht mit 100 km/h auf der Straße fahren, um dann eine Vollbremsung zu machen, wenn wir einen geeigneten Wechselpunkt gefunden haben, der regelkonform anderthalb Meter von der Straße entfernt ist. Gefühlt suchen die jetzt nur Sachen, um uns irgendwie ans Bein pinkeln zu können. Als wenn es nicht gewollt ist, dass wir den Rekord aufstellen. Wir verhalten uns schon ziemlich perfekt, sind sehr penibel mit allem, was wir tun und die wollen uns das Leben gerade schwer machen. Aber davon lassen wir uns jetzt nicht die ganze Challenge versauen. Auf jeden Fall hat man Bock, man ist heiß, man will Zeit rausfahren. Und auch Sören hat heute einfach hammer Werte getreten, auch am 4. Tag. Das ist schon ziemlich cool.

Merle: Richtig cool! Ich bin immer wieder beeindruckt von eurer Energie.

Clemens Lange: Möchtest du noch wissen, wo wir zeitlich aktuell stehen? Dann muss ich an Sören weitergeben.

Merle: Hallo Sören, wie geht’s?

Sören Sönksen: Also eigentlich geht‘s mir total gut. Ich habe keine Verschleißstellen, aber ich habe heute härter drauf gehauen als die anderen Tage. Ich will das jetzt auch nach Hause holen. Allerspätestens jetzt fühle ich mich komplett herausgefordert. Das will ich mir jetzt nicht mehr wegnehmen lassen.

Merle: Das ist auch gut so.

Sören Sönksen: Jetzt müssen wir halt auch zeigen, dass wir überragende Radfahrer sind.

Merle: Was sagt denn jetzt der Zeitplan?

Sören Sönksen: Wir hängen nach meinem Plan etwas hinterer, weil der berücksichtigt, dass wir am Ende noch einige Höhenmeter bekommen. Wir sind so weit im Rennen, dass wirimmer gucken, wie viel Restkilometer wir noch haben und welchen Schnitt wir dafürbrauchen. Wir hatten jetzt lange 40,3 km/h im Schnitt. Es ist aber kompliziert zu rechnen mit der Zeitstrafe, mit der Shuttle-Gutschrift, mit Abzügen und keine Ahnung was alles noch. Aber ist so, dass wir für die letzten 4 Schichten nur noch ein 38er Schnitt brauchen. Es ist aufMessers Schneide, es hängt am seidenen Faden, wir müssen wirklich all in gehen. Und es wirkt, als wenn der Veranstalter nicht gerne möchte, dass wir das erreichen. Wir werden extrem beobachtet und bekommen keine Info, wie viel Gutschrift wir für den Shuttle-Fauxpas erhalten werden. Deswegen wäre das ziemlich geil, wenn wir so ankommen, dass wir dieGutschrift nicht bräuchten. Aber das macht es ja spannend.

Merle: Du klingst aber zuversichtlich.

Sören Sönksen: Ich kann nicht sagen, wie realistisch das ist. Ich kenne die Strecke ja auch nicht super gut. Bin letztes Mal auch nur einen Part gefahren. Je dichter wir an das Ende kommen, desto genauer kann man bis zum Ende rechnen. Aber die Zeit wird auch weniger, um etwas herauszuholen.

Merle: Ja, das stimmt.

Sören Sönksen: Ich hoffe, die Jungs können heute Nacht wieder richtig liefern. Zum Ende hin haben wir keinen genauen Plan. Durch das zweite Racecar könnten wir zum Schluss nochmal in die 6er-Rotation gehen. Morgen früh wird erst mal noch normal gewechselt, aber zum Ende wollen doch vermutlich alle wieder dabei sein. Die Frage ist nur, wie wir das organisiert bekommen. Je dichter wir an die Zentren kommen, desto schwieriger wird es Parkplätze und somit Wechselpunkte zu finden. Wir können Schnelligkeit nur mit Leistung kompensieren. Wir kommen nicht mehr mit einem komfortablen Puffer ins Ziel. Leider nicht. Es wird sehr spannend morgen, das kann ich versprechen.

Merle: Wann wird das zu deutscher Zeit sein?

Sören Sönksen: Das müsste kurz vor 23 Uhr sein.

Merle: Dann sind wir hier Zuhause alle ganz gespannt und verfolgen das am besten bei Instagram. Noch zurück zum Zeitplan: Es ist für jeden Streckenabschnitt festgelegt, mit welcher Durchschnittsgeschwindigkeit gefahren werden muss. Wie hast du die Werte ermittelt? Mit Erfahrungswerten von 2024?

Sören Sönksen: Unseren gesamten Kalkulationsplan, ich nenne ihn Timetable, hat tatsächlich Holger Jessen-Thiesen gemacht. Er hat eine Excel-Tabelle geschrieben und das Höhenprofil einfließen lassen. Dann hat er eben eine Annahme getroffen zu Rollwiderstand, Gewicht und Aerodynamikwert vom Fahrer und damit ermittelt, wann wir wo sind mit einer durchschnittlichen Leistung. Das hat er damals für unser altes Team gemacht. Jetzt habe ich den Wert einfach angepasst. Und ich habe so lange angepasst, bis wir halt auf den Streckenrekord kamen. Das passte auch weitestgehend gut. Jetzt zum Schluss hoffe ich, dass es nicht mehr passt, weil wir nach dem Plan eine halbe Stunde dahinter sind und das kann eigentlich nicht sein. Aber am Ende ist es so: Die Zielzeit ist die Zielzeit, am Ende muss es passen.

Merle: Danke Sören! Ruht euch gut aus. Morgen wollen wir nochmal alles von euch sehen!

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