Race Around Denmark 2026 – Team II des SV Enge-Sande holt Streckenrekord

Mit zwei 4er-Teams machte sich der SV Enge-Sande auf den Weg zum „Race Around Denmark“ – einem knapp über 800km Radrennen einmal rund um Jütland. Für unser Team II bestand die Mannschaft aus Matthias Seismann, Clemens Lange, Sören Sönksen und Ralf Petersen. Unterstützt wurden wir von unseren Racecar-Crews, die während des gesamten Rennens dafür sorgten, dass die Fahrer sich nahezu ausschließlich auf eines konzentrieren konnten: Radfahren.

Aufbruch Richtung Dänemark

Am Donnerstagmorgen trafen wir uns um 10 Uhr am Sportplatz des SV Enge-Sande. Nach einem letzten Einkauf in Süderlügum – mit allem, was man für fast 20 Stunden Rennaction benötigt – ging es gemeinsam in zwei Racecars Richtung Start- und Zielbereich nach Rønde bei Aarhus.

Die Stimmung war von Beginn an eine Mischung aus Vorfreude, Konzentration und guter Laune. Besonders spannend: Ein Teil des Teams kannte sich vorher kaum oder sogar gar nicht. Genau deshalb war eines unserer wichtigsten Ziele, uns als Mannschaft kennenzulernen und gemeinsam als Team zu funktionieren.

Sportliche Erfahrung war zwar reichlich vorhanden – vom Ironman bis hin zu langen Radrennen –, doch dieses spezielle Rennformat war für fast alle neu. Gefahren wurde wie bei einem Staffellauf: ungefähr alle 15 Minuten ein Fahrerwechsel. Nur Teamcaptain Sören und das Fahrer- und Supporterteam hatte mit dieser Art Racing bereits Erfahrung gesammelt.

Natürlich gab es auch sportliche Ziele: eine neue Bestzeit und vielleicht sogar ein 40er-Schnitt. Ein kleines internes Ziel schwang ebenfalls mit – schneller zu sein als das andere 4er-Team des SV Enge-Sande, das vier Minuten vor uns gestartet war.

Support-Crews mit Profi-Niveau

Ein entscheidender Faktor für unseren Erfolg waren außerdem unsere Support-Crews. Im ersten Teil des Rennens begleiteten uns Timo Hansen und Arne Ingwersen, die sich um Navigation, Wechselkoordination, Verpflegung und sämtliche organisatorischen Aufgaben kümmerten.

Am nächsten Morgen erfolgte dann der fliegende Crew-Wechsel: Jan-Ove Wieder und Lars Thomsen machten sich mitten in der Nacht von Nordfriesland aus auf den Weg, um rechtzeitig zur Ablösung bei uns zu sein. Mit frischen Brötchen, Kaffee und Kakao im Gepäck sorgten sie genau zur richtigen Zeit noch einmal für neue Energie und Motivation im Team.

Durch den Einsatz aller Supporter konnten sich die Fahrer nahezu vollständig auf das Rennen konzentrieren – ein Luxus, der sich zeitweise tatsächlich wie Profi-Sport anfühlte.

Wind, Wetter und schnelle Wechsel

Die Bedingungen machten uns allerdings schnell klar, dass der Plan mit dem 40er-Schnitt schwierig werden würde. Besonders der Streckenabschnitt zwischen Hanstholm und Esbjerg bescherte uns ungünstigen Wind. Dazu kam typisches Aprilwetter mitten im Mai: kalt, wechselhaft und alles andere als gemütlich.

Gerade in der Nacht wurden die schnellen Wechsel extrem wichtig, damit die Fahrer möglichst lange im warmen Racecar bleiben konnten. Das Wechsel-System lief dabei fast wie ein Uhrwerk: Nach jedem Wechsel musste das Auto zunächst den aktiven Fahrer einholen, ihn kurz begleiten und anschließend rechtzeitig vorausfahren, damit der nächste Fahrer startklar gemacht werden konnte.

Und „startklar“ bedeutete manchmal auch: noch schnell kleinere Reparaturen durchführen. Ein platter Reifen im Tubeless-Setup wurde beispielsweise in knapp vier Minuten komplett gewechselt. Wackelige Schrauben wurden nachgezogen und kleinere Probleme direkt unterwegs gelöst.

Nicht jeder Wechsel lief perfekt – manchmal musste der aktive Fahrer eben noch ein paar Minuten länger durchziehen, weil der nächste Fahrer „mental schon im Rennen, aber kleidungstechnisch noch nicht ganz im Zielzustand“ war.

Auffällig war auch wie schnell sich das gesamte Zeitgefühl verschob: Die ursprünglich „langen“ 40–45 Minuten Pausen zwischen den Fahrblöcken fühlten sich im Rennmodus deutlich kürzer an als erwartet. Die Zeit verflog extrem schnell – oft war man kaum im Auto angekommen, da stand der nächste Wechsel schon wieder an.

Überraschend stark unterwegs

Mit zunehmender Renndauer merkten wir, dass wir deutlich stärker unterwegs waren als erwartet und geplant war. Selbst enge Serpentinen wurden teilweise noch im Aeroaufsatz gefahren und hohe Wattwerte trotz Müdigkeit weitergetreten.

Nach einigen Stunden hatten wir den Rückstand auf Team I aufgeholt. Dann kam allerdings ein kleiner Rückschlag: Durch eine Verwechslung mit dem anderen Racecar wurde eine Abzweigung verpasst und wir mussten umdrehen. Die Aufholjagd begann erneut.

Am nördlichsten Punkt der Strecke war es dann soweit: Wir konnten Team I einholen. Nach einem kurzen Kopf-an-Kopf-Rennen gelang schließlich die Überholung – und danach konnten wir den Vorsprung Stück für Stück ausbauen.

Pizza, Sightseeing und längere Einsätze

Auch die Verpflegung funktionierte hervorragend. Von Riegeln, Salzstangen und Gummibärchen bis hin zur eigenen Raceverpflegung war alles dabei und hat die nötige Energie für das Rennen geliefert.

Besondere Highlights gab es ebenfalls genug: Durch die feste Rotation erwischte Matthias scheinbar zuverlässig fast jede Stadtdurchfahrt – Sightseeing und rote Ampeln inklusive. Außerdem erwischte er konsequent sämtliche Baustellen/ Gravelpassagen, was schließlich auch direkt mit einem Platten quittiert wurde.

Sören hatte die Besonderheit immer das „Pech“ – oder vielleicht auch das Vergnügen – öfters mal die Zähne zusammenzubeißen und Richtung 30 Minuten durchzufahren. Schuld daran waren die nötigen Tankstopps und einem Wechsel, der mal nicht so lief wie geplant. Doch genau das zeichnete uns an diesem Tag aus: Trotz aller Variablen und Herausforderungen hatten wir im gesamten Rennverlauf nie einen Stillstand.

Die letzten Kilometer

Was anfangs noch vom Adrenalin und Rennfieber getragen wurde, wurde mit jeder Stunde härter. Gerade gegen Ende, nach fast 20 Stunden Renndauer, wurde jeder Wechsel und jeder Anstieg zunehmend zäh. Trotzdem blieb die Stimmung die gesamte Zeit über bemerkenswert positiv, organisiert und fokussiert.

Die letzten 15 Kilometer absolvierten wir schließlich gemeinsam als geschlossenes 4er-Team. Bei ausnahmsweise gutem Wetter und Sonnenschein konnten wir die letzten Kilometer zusammen genießen – ein perfekter Abschluss für ein außergewöhnliches Rennen.

Am Ende stand nicht nur der Sieg, sondern auch ein neuer Streckenrekord.

Besonders stolz sind wir darauf, diese für uns neue Art des Wettkampfs so erfolgreich gemeistert zu haben. Die Wechsel funktionierten zu größtenteils nahezu perfekt, das Team harmonierte hervorragend und wir konnten wichtige Erfahrungen für das nächste große Ziel sammeln: das Race Across America (RAAM 2026).

Vor allem aber bleibt die Erkenntnis, dass aus vier Fahrern und 4 Crewmembern, die sich teilweise kaum kannten, innerhalb von 2 Tagen ein echtes Team geworden ist.

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