Merle: Benni, dich hab ich früher als erwartet am Apparat. Wie kommt’s?

Benjamin Haas: Wir steuern auf das Ende unserer Schicht zu, die ganz schön anstrengend war. Wenn Leif und ich gleich abgelöst werden, wollen wir nur noch schlafen. Deswegen wollte ich das Interview jetzt schon mal machen, also live aus dem Night-Racecar.

Merle: Wann und wo seid ihr in eure zweite Schicht gestartet?

Benjamin Haas: Leif und ich sind abends ca. 19.00 Uhr Ortszeit in Bluff wieder an den Start gegangen und werden in La Veta von Torben und Malte abgelöst.

Merle: Ihr seid den Wolf Creek Pass hochgefahren. Wie war das?

Benjamin Haas: Es war kühl, sehr kühl. Es ging ja bis auf 3300 Meter hoch. Deswegen haben wir da im 3- bis 5-Minuten-Takt gewechselt, also relativ kurze Wechsel gefahren, um möglichst schnell dort hochzukommen. Das ist uns auch ganz gut gelungen ist. Ich bin derjenige gewesen, der die ersten 21km von oben runtergefahren ist. So mit 92km/h ungefähr.

Merle: Ist das cool oder kommt dabei ein Angstgefühl hoch?

Benjamin Haas: Nee, Angstgefühl gar nicht. Es war halt dunkel. Jonas hat das gut ausgeleuchtet, also war das eigentlich gar kein Problem. Man macht sich halt klein auf dem Fahrrad, um so schnell wie möglich zu werden, und das ist halt super unbequem. Das ging halt sehr doll auf die Schultern, muss ich sagen. Die Finger wurden auch ein bisschen kalt, weil es nur 8 Grad waren. Naja gut, ich will ja auch nicht rumheulen. Mein Cockpit habe ich vorher abgebaut, also schon vor dem Anstieg, weil man es dort nicht braucht und die 2 Kilo kann man sich gut sparen. Und das habe ich tatsächlich auch in der Abfahrt abgelassen, weil man sich dann noch ein bisschen kleiner machen kann. Sonst würde das Cockpit im Weg sein, um den Kopf möglichst weit runter zu kriegen um aerodynamisch auf dem Fahrrad zu sitzen.

Merle: Du sagtest vorhin schon, dass du kaputt bist, aber wie geht es dir sonst?

Benjamin Haas: Scheiße, um es auf den Punkt zu bringen, also bin so energiemäßig ziemlich, ziemlich unten. Ich muss auf jeden Fall ein paar Stunden schlafen die nächste Nacht. Leif geht’s wahrscheinlich genauso. Ich fahre hier auch schon eher verkürzte Schichten. Ich muss sagen, nach der Abfahrt war mir dann ein bisschen kalt bei der nächsten Radfahrt wieder im Flacheren.

Merle: Ihr hattet tagsüber Pause, wenn ihr abends wieder ins Rennen gestartet seid. Konntet ihr dann überhaupt schlafen?

Benjamin Haas: Ich glaube, dass ich eine halbe Stunde bis Stunde im fahrenden Wohnmobil geschlafen hab. Wir haben dann irgendwann gegessen im fahrenden Wohnmobil, aber vorher noch geduscht natürlich. Als wir dann standen, haben wir vielleicht noch mal eine Stunde geschlafen. Auf mehr als 2 Stunden sind wir wohl nicht gekommen, was dann schon reinhaut.

Merle: Könnt ihr eine Aussage treffen, wie viel Kilometer ihr als ganzes Team schon gerissen habt?

Benjamin Haas: 1617 Kilometer. Ein Drittel ist um. Hört sich gut, wenn man das so ausspricht.

Merle: Guck mal, das gibt doch jetzt einen kleinen Motivationsschub, oder nicht?

Benjamin Haas: Wenn ich morgen dazu stoße, dann kommen wir auf die Hälfte. Naja, nicht ganz. Wenn ich fertig bin, haben wir die Hälfte.

Merle: Dann noch viel Spaß auf den letzten Kilometern und ein erfolgreiches Krafttanken euch beiden!

Benjamin Haas: Vielen Dank für deine Zeit.

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