Raam Amerika: Hallo Sören!

Sören Sönksen: Hi Merle! Ich muss dich erst mal fragen, wie es ist, uns zu verfolgen? Das macht doch bestimmt Spaß, ein Teil davon zu sein, oder?

Merle: Das ist einfach hammergeil. Die Stimmung kommt hier super rüber.

Sören: Ich habe auch regelmäßig Tränen in den Augen vor Freude. Schon echt cool, wenn alle so performen.

Merle: Wie sieht’s aus? Wie geht’s euch?

Sören: Also ehrlich gesagt, hätte ich gedacht, dass wir ein bisschen weiter vorne sind. Wir sind tatsächlich weiterhin nur 30 Minuten vor dem Zeitplan. Das ist toll, aber ich weiß auch,was jetzt kommt. Jetzt kommt Kansas. Kansas ist bretteben, das ist eigentlich genau das, was wir von zu Hause kennen. Aber unser Anspruch ist halt auch, da ultra schnell durchzukommen. Und der Wind ist leider die ersten 1000 Kilometer von vorne. Geplant war,dort mit 45km/h durchzufahren, und das werden wir auf keinen Fall tun. Somit werden wir da Zeit verlieren. Wie viel, wage ich nicht zu prognostizieren, aber wir werden Federn lassen.

Merle: Und wie ist das mit dem Shuttle-Fauxpas von gestern? Wird euch die Zeit noch gutgeschrieben?

Sören: Ich hoffe und gehe davon aus, dass uns der Veranstalter was gutschreiben wird, weil das sonst unfair wäre. Er kann ja ganz genau ausrechnen, wann wir ins Shuttle eingestiegen sind, wie lange wir normalerweise für das Shuttle gebraucht hätten und wie lange wir jetzt gebraucht haben. Dementsprechend kann er auf die Minute genau von jedem Team den Zeitverlust ausrechnen. Ja, das wäre schon bitter, wenn wir da nichts kriegen. Ob das jetzt 20, 25, 30 oder 35 Minuten sind, das weiß ich nicht genau, aber es sind ungefähr 30 Minuten. Die würden uns schon ziemlich helfen, wenn es erst mal nur gegen den Wind geht.

Merle: Dann schieß los. Wie waren die 530 km von Durango bis Kim in Colorado?

Sören: Durango konnte ich mir gut merken, weil wir da beim letzten Mal zu so einem Streetfood-Market waren. Wir sind hingefahren und es war natürlich wieder Foodmarket. Dahaben wir eine richtig leckere Bowl gegessen. Etwas Gutes zu essen kriegen, ist in Amerika ja ziemlich schwierig. Dann sind wir von da ein Stück weitergefahren, weil unser Wechselpunkt20 km hinter Durango war. Und dort haben wir richtig gut gepennt, also 3 bis 4 Stunden. Das ist eben schon richtig viel. Ich war vorher auch emotional schon echt fertig, weil ich so wenig geschlafen hatte. Dann sind wir heute Morgen um 22:30 Uhr, also eigentlich ist es ja abends, aber für Clemens und mich ist es im neuen Rhythmus ja wie morgens, aufgestanden, weil die Schicht um 0 Uhr beginnen sollte. Das ist für uns cool, weil wir immer spät schlafen können und dann — ausgeschlafen ist vielleicht das falsche Wort, aber gut erholt in eine neue Schicht starten können.

Merle: In die zweite Nacht seid ihr also gut gestartet, weil ihr vorher schlafen konntet?

Sören: Ja, richtig. Das bringt schon viel 4 Stunden zu schlafen, wenn man vorher irgendwienur eine geschlafen hat. Die Schicht selber ist natürlich total beeindruckend, weil wir gleich auf den Wolf Creek Pass hochgefahren sind. Der ist 3300 Meter hoch. Das ist schon ultraverrückt mit dem Fahrrad so hoch unterwegs zu sein, wo die Luft dünn ist. Man ist erst ein bisschen enttäuscht von seinen Leistungswerten, weil man die einfach nicht so hoch halten kann. Aber da haben wir richtig coole kurze Wechsel gemacht mit den anderen beiden, Benniund Leif, und haben da ja total gut hoch performt. Das ist eine ultra geile Gegend da. Bisher hatten wir ziemlich viel Wüste und Steine. Dort ist es bewaldet und total cool, tolle Landschaft. Also sind wir da hochgeackert, runtergerollt und dann auf den Cuchara-Pass hoch, der auch wieder 3000 Meter hat. Die Höhenmeter bremsen natürlich, aber im Vergleich zu den Alpen machen die auf eine andere Art Spaß. In Amerika geht es lange, relativ flache Anstiege hoch, die man noch relativ schnell fahren kann. Bergab jedoch ultra schnell. Da hatte der eine oder andere auch mal die 100 km/h auf dem Tacho. Das ist schon echt krass. Wir hatten echt eine mega coole Schicht. Nach dem Cuchara-Pass ging es halt Ewigkeiten wieder bergab, immer in so kleinen Wellen. Und der kleine Ort Kim ist wieder brettflach. Hier sind es wieder 35 Grad. Sind zwar keine Wüstentemperaturen, aber für Leistungssport sind 35 Grad halt auch schon richtig warm. Da wird man schon ordentlich gegrillt unterm Aerohelm.

Merle: Was sagst du zum Support des Veranstalters?

Sören: Vor 2 Jahren haben wir nichts von denen mitbekommen. Als ich diesen Post heute gelesen habe, hatte ich Tränen in den Augen. Es ist super cool, wie sie den geschrieben haben. Sie haben uns natürlich mit Team Bemer verglichen. Das sind die aktuellen Streckenrekordhalter, und an die können sie sich natürlich gut erinnern. Die waren damals eben mit einer Riesenarmada aus Trucks da und unser kleiner Dorfverein macht es mit einer Stoppuhr um den Hals und mit nur 4 Fahrzeugen. Dann haben sie eben abends gesehen, wie wir diese fliegenden Wechsel in der Nacht mit 2 Racecars machen. Das haben sie als Augenweide betitelt und den SVE eine eingespielte Ultracycling-Maschine genannt. So ist es ja auch. Wir haben alles sehr genau geplant und arbeiten es auch genau so ab. Alle wissen Bescheid und ziehen an einem Strang. Jede Sekunde zählt. Deshalb haben wir heute auch einen Bauarbeiter bestochen, der die Straße gesperrt hatte. Uns hat er durchfahren lassen und dafür haben wir ihm eine kalte Cola gegeben, über die er sich tierisch gefreut hat. Wenn wir es nicht gemacht hätten, hätten wir da 10 Minuten gestanden. Ich sage mal, gegen clever sein, gibt es nichts einzuwenden.

Merle: Bekommt ihr überhaupt irgendwas von der Fußball-WM mit?

Sören: Clemens und ich sind absolut keine Fußball-Fans. Da fragst du die Falschen. Also wenn wir zu Hause wären, hätten wir es bestimmt geguckt. Aber hier ist unsere Sache wichtiger. Wir lassen uns nicht ablenken.

Merle: Wie kaputt seid ihr beide jetzt?

Sören: Mir geht’s echt gut. Ich freue mich wieder auf die nächsten 4 Stunden Schlaf und hab dann richtig Bock, morgen wieder gegen die Zeit zu ackern.

Merle: Dann heißt es jetzt Daumen drücken, dass der Wind nochmal dreht oder nachlässt. Ihr packt das trotzdem, wir glauben an euch!

Sören: Danke!

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