Merle: Ihr seht gar nicht so schlecht aus, muss ich sagen.

Torben Bies: Man muss auch sagen, heute war der beste Tag, also von den Beinen und
vom Kopf her.

Merle: Auf den Fotos und Videos sah das nach einer ziemlich spaßigen
Nachtschicht aus. War das so?

Malte Dietz: Ja, das kann man sagen. Die Stimmung ist immer top, aber heute hat
uns das Team wieder durch die Nacht getragen. Es tut zwar immer weh auf dem Rad, aber Spaß hatte man trotzdem.

Merle: Welches Lied hat euch durch die Nacht getragen?

Torben Bies: Ich hätte gerne den Büffelmann gehört, aber „Oben gute Laune kam auch des Öfteren. Das war auch gut.

Merle: Also alles in allem war die Nachtschicht ganz gut. Das war ja auch schon eure vierte Schicht, oder?

Torben Bies: Wir sind ja mittags reingestartet um ca. 13:30 Uhr und waren eine Stunde hintern Plan. Deswegen hatten wir die Mission, ordentlich reinzutreten. Das haben wir in unseren Augen auch sehr gut umgesetzt. Erst mit Sören und Clemens und später mit Ralf und Matthias. Das lief durchgängig gut.

Malte Dietz: Wir hatten keine Schwierigkeiten, keine Pannen, keine Zwischenfälle. Alle sind sauber durchgefahren.

Torben Bies: Malte hat sich vor jedem Berg rausschmeißen lassen. Das lässt er sich ja nicht nehmen.

Malte Dietz: Ich fahr lieber bergauf als bergab, von daher nehme ich hier jeden
Höhenmeter mit den ich kriegen kann. Jeder hat seine Stärken und Schwächen und Vorlieben und deshalb ergänzen wir uns auch perfekt.

Merle: Wie war die Strecke?

Torben Bies: Landschaftlich war es heute nicht ganz so geil wie die letzten Tage. Wir waren ziemlich schnell auf dem Highway. Und ja, auf dem Highway ist die Hölle los, oder wie heißt der Film? Das war nicht ganz so angenehm, neben den LKWs zu fahren. Zudem fahren wir fahren ja auf dem Standstreifen, der voller Steine, toten Tieren und
geplatzten Reifen und Möbelteilen ist. Da liegt einfach alles.

Malte Dietz: Das war ein Highway Richtung Jefferson City. Der hat echt nicht so viel Spaß gemacht. Neben einem rauschen die 40Tonner vorbei. Da wird einem schon ein bisschen mulmig, aber auch das haben wir geschafft.

Merle: Hattet ihr zusätzlich zu den vorbeirauschenden LKW‘s auch noch Wind?

Torben Bies: Wir hatten den ganzen Tag so fünf bis 15 km/h Gegenwind oder seitlichen Wind.Aber das kam nicht zum Tragen. Wir sind nur durchgebrettert.

Malte Dietz: Ja, den haben wir zerschnitten, den Wind, gar kein Problem.

Merle: Und wie sind die Wetterbedingungen sonst gerade bei euch?

Malte Dietz: Die Wetterbedingungen sind echt top. Tagsüber ist es natürlich um die 30 Grad warm, aber da sind wir schlimmeres aus der Wüste gewohnt. Von daher kommt man damit echt klar. Wir haben auch Kühltruhen im Auto, damit man sich immer ein bisschen Eis in den Nacken machen kann. Jetzt in der Nacht war es auch recht angenehm. Da waren es so um die 20 Grad. Ist natürlich auch cool, wenn es in der Nacht nicht so extrem runterkühlt. Deswegen überhitzt man auch nicht. Die anderen Teams haben mehr Pech. Die sind ein Stückchen hinter uns und teilweise leider von einem heftigen Unwetter erwischt worden.
Da haben wir natürlich Glück, dass wir da so durchgeballert sind und haben uns das verdient, dass wir bisher trocken geblieben sind

Merle: Stimmt, ihr habt noch keinen Regen abbekommen.

Malte Dietz: Nee, das bleibt auch so. Ich meine, der Gegenwind in Kansas war
schon schlimm genug. Da muss man nicht noch Regen dazu haben.

Torben Bies: Feuchtfröhlich wird es erst hinter der Ziellinie, richtig.

Merle: Seid ihr viel auf dem Highway gefahren? Oder konntet ihr merken, dass ihr schon wieder ein Bundesstaat durchquert habt und die Landschaft sich ändert?

Malte Dietz: Auf dem Highway waren das bestimmt 60 Meilen. Das hat sich echt gezogen. Gestern zum Beispiel, als wir durch Colorado gefahren sind, hat man gemerkt, wie sich die Landschaft verändert. Da wir ja aber auf dem Highway gestartet sind und dann ja auch noch nachts, konnte man eh nicht viel sehen außer unseren Lichtkegel. Von daher gab es heute nicht ganz so viel zu Gucken. Ist natürlich ein bisschen schade, aber es ist wichtiger, dass die Strecke gut ist und man gut durchkommt.

Torben Bies: Im Vorfeld hatten wir noch an den Fahrrädern zu tun. Ich hatte gestern ja leider ein kleines Malheur mit meinem Cockpit. Wir hatten zum Glück ein ReserveCockpit dabei, das ich vor unserem Einsatz montiert hab. Malte hat vorsichtshalber seinen Mantel hinten gewechselt. Der hatte einen kleinen Cut und wir wollen natürlich kein Risiko eingehen.

Merle: Würdet ihr sagen, die Stimmung der Schicht war das Highlight oder gab es noch was anderes?

Torben Bies: Es gibt so viele Highlights. Aber eigentlich, dass auf dem Tacho immer die viervorne stand.

Malte Dietz: Ja eigentlich auch, dass ein Ende in Sicht ist. Fühlt sich total komisch, wenn man zurückdenkt. Torben und ich sind in Oceansside gestartet und das kommt einem vor, als wäre das zwei Wochen her. Dabei sind es ja nur ein paar Tage. Was in der Zwischenzeit alles passiert ist, realisiert man so gar nicht. Es passieren so viele kleine und coole Sachen, die man sich eigentlich aufschreiben müsste.

Torben Bies: Eine Sache muss man noch erwähnen: Es gibt vereinzelt Leute, die am Streckenrand stehen mit selbst gebastelten Schildern oder einer Deutschlandflagge.
Und ja, wir haben leider keine Zeit zum Anhalten. Man winkt natürlich, wird kurz gefeiert von den Menschen, aber dann düsen wir weiter. Die anderen Teams oder Einzelstarter machenmeistens noch schnell ein Foto mit denen. Die haben andere Zeitziele.
Und dann hatten wir heute noch einen verrückten Fan dabei. Der war total aufgeregt und hat sich richtig auf uns gefreut. Mit seiner 360 Grad Kamera hat er uns noch begleitet. Das ging einen richtig knüppelharten Berg hoch, den Malte sich natürlich geschnappt hat, und der Fan hat den Gegenverkehr geschnitten oder ist dann wieder vor Malte gefahren, damit er ihn auf Video hat.

Malte Dietz: Der hat auch richtig gebrüllt und der war einfach richtig besessen oder richtig motiviert. Das hat nochmal richtig nach vorne gepusht. Ich bin den Berg hochgefahren und wurde nach ein paar Metern dann abgewechselt. Der Fan kam dann auch noch zu uns und hat Fotos mit uns gemacht. Das war schon cool.

Torben Bies: Vorher hingst du auch noch hinter dem Einzelstarter fest. Da konnten wir leider nicht überholen, weil es eine engere Passage war und auch Überholverbot. Da haben wir
ein bisschen Zeit verloren. Aber ja, so sind die Spielregeln.

Merle: Apropos Zeit. Die Frage aller Fragen, wie seid ihr im Zeitplan?

Malte Dietz: Ich muss sagen, es ist schwierig, den Überblick zu behalten, weil es hier diverse Zeitverschiebungen gibt. Wir rechnen meistens in Oceanside-Zeit, aber auf dem Handy steht natürlich eine andere Uhrzeit. Man verliert eh jegliches Raum und
Zeitgefühl. Aber es sieht so aus, dass wir aktuell 1 Stunde hinter dem Zeitplan sind.

Merle: Wann seid ihr vom Fahrrad runter?

Malte Dietz: Wir hätten um 00:46 Uhr gesollt und sind schlussendlich um 02:00 Uhr abgestiegen. Dann sind es eher 1 Stunde und 15 Minuten, die wir hinten sind.

Torben Bies: Da kann auch ein bisschen der Wurm drin sein in unserer Liste. Thorge hat uns gerade die Liste vom Veranstalte gezeigt, auf der wir eine Durchschnittsgeschwindigkeit von 40,89 km/h haben. Und auf unserer Liste sind wir irgendwo bei 40,2 km/h.

Malte Dietz: Aber wir lassen uns davon auch nicht beirren. Wir geben weiter Gas. Jeder drückt, so viel er kann, auf dem Pedal. Die Supporter halten uns den Rücken frei. Ob wir jetzt zurückliegen oder ob wir vor der Zeit sind, wir machen einfach weiter und am Ende wird abgerechnet. Wenn wir in Atlantic City sind, schauen wir nochmal genau drauf, was die Uhr sagt, aber lasst uns jetzt nicht beirren.

Torben Bies: Das Witzige ist ja auch, von dieser Zeitgutschrift, die wir noch erwarten, gibt
es keine Rückmeldung. Alles andere wird kommentiert vom Veranstalter, aber dazu sagt er nichts. Als würde er es drauf ankommen lassen, wie lange wir schlussendlich brauchen. Dann waren wir heute auch sehr lange, so 5-6 Stunden, in Begleitung eines Race-Marshalls.

Merle: Er war während der Nacht dabei?Malte Dietz: In der Nacht, ja genau. Wie Torben sagte, der ist bestimmt 5 Stunden hinter oder auch vor uns gefahren und hat sich die stehenden Wechsel genau angeguckt und aufgepasst, dass da alles rechtens läuft. Man hatte den Eindruck, dass der auf Fehlersuchewar. Aber hatte natürlich nichts gefunden.

Merle: Auf was freut euch jetzt? Auf‘s Bett?

Torben Dietz: Noch ist man irgendwie zu wach zum Schlafen. Zuerst unter die Dusche und dann muss man was essen, obwohl man eigentlich keinen Hunger hat. Aber die Speicher müssen wieder aufgefüllt werden. Und dann versucht man einzuschlafen. Wir sind hier irgendwo auf einer Tankstelle, wollen hier 4-5 Stunden schlafen und dann zum nächsten Wechselpunkt fahren.

Merle: Alles klar. Schlaft gut!

One Comment
  1. Frauke 25. Juni 2026 at 14:38 - Reply

    soooo spannend zu lesen die Rennberichte. Danke dafür !
    Die Daumen sind weiterhin gedrückt für Euer Race

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