Merle: Benny, wie ist die Lage?

Benjamin Haas: Gut. Ich bin tatsachlich nicht so kaputt wie die anderen Male.

Merle: Wie schnell konntet ihr fahren?

Benjamin Haas: Leif und ich hätten laut Plan 41,3 km/h im Schnitt fahren sollen und sind fast ein km/h schneller gewesen. Dadurch haben wir 20 Minuten gut machen können. Heute Morgen war ja wieder ein gutes Minus da, weil die stehenden Wechsel so akkurat über die Nacht durchgezogen werden. Und nach 7 Uhr, wenn die Nacht offiziell vorbei ist, konnten wir richtig was gut machen.

Merle: Weil die Bedingungen auch gut waren?

Benjamin Haas: Ja, genau. Heute Morgen war erst noch ein bisschen Gegenwind, aber es war nicht doll. Und ab 11 Uhr hatten wir eher ein bisschen Rückenwind. War zwar auch nicht doll, aber es macht halt schon einen Unterschied, ob 10 km/h von vorne oder 10 km/h von hinten kommen.

Merle: Das stimmt. Wann seid ihr in eure Schicht gestartet?

Benjamin Haas: Ziemlich genau 2 Uhr. Und dann war die Schicht gute 13 Stunden lang.

Merle: Könnt ihr noch Fast Food sehen oder freut ihr euch auf anderes Essen?

Benjamin Haas: Ich habe mir gerade 2 Muffins schnell mal reingehauen. Das Wichtigste istecht, dass die Kohlenhydrate reinkommen. Sonst killt dich das irgendwann. Deswegen viel Zucker, Säfte, Muffins und Cheeseburger haben wir eigentlich auch immer im Auto. Aber ja, ich freue mich dann auf die Tage, wenn wir morgen ankommen und wieder vernünftig essen gehen.

Merle: Hattet ihr mit Müdigkeit zu kämpfen?

Benjamin Haas: Tatsächlich ging das heute. Ich würde sagen, heute war der beste Tag, an dem Leif und ich auch als Duo am besten performt haben.

Merle: Wie kann das sein?

Benjamin Haas: Man gewöhnt sich vermutlich daran. Der Körper ist irgendwie imstande, noch weitere Reserven rauszuholen. Und ich hoffe, morgen wird noch mal die ganz große Reserve rausgeholt. Sonst wird es auch wirklich eng, muss man sagen. Oder es wird nichts, wenn wir morgen nicht noch mal richtig was raushauen.

Merle: Wie steht ihr aktuell davor? Hast du einen Überblick?

Benjamin Haas: 40,03 km/h ist der aktuelle Schnitt. Aber die Zeitstrafe geht davon noch ab, und eine Zeitgutschrift von 15-20 Minuten für den Umweg bekommen wir eigentlich auch noch. Die ist aber noch nicht ausgesprochen. Es ist ganz eng genäht, aber tendenziell kommen morgen auch zwei Schichten, die nicht so schnell sind. Und wir müssen diesen Schnitt ja irgendwie halten.

Merle: Nicht so schnell, weil das die Strecke nicht hergibt?

Benjamin Haas: Ja, genau. Zumindest ist es so eingeplant. Morgen kommen Strecken mit 37,1km/h, 30,6 km/h und 36,4 km/h, lso deutlich unter 40 km/h. Ich bin echt gespannt. Es wirdeng, aber es ist machbar und wir glauben da alle fest dran und sind richtig motiviert. Man merkt richtig, wie heute noch mal so ein Ruck durch die Truppe durchgegangen ist, als bekannt wurde, dass das heute ganz gut gelaufen ist und wir jetzt wieder Zeit gutmachen konnten.

Merle: Wie hast du die Nachtschicht empfunden? Auf den Fotos und Videos sah das nach einer Menge Spaß aus.

Benjamin Haas: Ja, war echt gute Stimmung im Auto. Wir treffen zu Schichtbeginn ja immer auf die Leute, die schon ziemlich lange unterwegs sind, in unserem Fall immer Ralf und Matthias. Und frische Leute bringen frischen Schwung ins Auto. Das ist schon auch echt hart, wenn man die ganze Nacht durchfährt. Heute war es das erste Mal für uns richtig angenehm, dass wir erst um 2 Uhr ins Auto gestiegen sind. Dann hast du noch so gute 3 Stunden bis die geht die Sonne aufgeht und Essen leichter fällt. Und ja, du siehst die Straße natürlich besser, es ist alles viel angenehmer. So kann man im Zweifel auch sehen, wenn Tiere auf die Straße laufen. Wenn dir was vor das Rad läuft, ist die Wahrscheinlichkeit, glaube ich, sehr groß, dass man sich auf die Schnauze legt.

Merle: Gab es ein Highlight auf eurem Streckenabschnitt?

Benjamin Haas: Dass der Wind gedreht hat. Das kann man durchaus nennen. Der Wind hat am späten Vormittag von Ostwind auf Westwind gedreht. Dann konnten wir Streckenabschnitte auch wieder mit 50 km/h fahren. Und wir haben uns zweimal verfahren, leider. Leif und Clemens sind komplett ahnungslos rumgefahren und mussten beide vom Racecar eingesammelt werden. Der Radfahrer, der dran war, wurde schnell aus dem Auto geschmissen und musste dann etwas länger fahren, weil Leif und Clemens ja noch eingesammelt werden mussten. Die beiden wussten auch nicht, dass sie verkehrt gefahren waren.

Merle: Ihr seid inzwischen in Ohio. Ist das schön da bei euch?

Benjamin Haas: Es ist sehr hügelig. Es sind keine richtig steilen Anstiege, aber halt immer mal kurze, knackige Anstiege. Die kann man, wenn man schnell unterwegs ist, teilweise einfach schlucken und dadurch nicht langsamer werden. Es ist auch deutlich bewohnter hier. Bisher waren wir eher in unbewohnten Gegenden unterwegs. Dadurch, dass wir näher am Meeresspiegel sind und die Temperaturen nicht mehr so hoch sind, ist es schon deutlich angenehmer zu fahren. Auch die Nächte sind deutlich angenehmer, weil es nur noch 15 Grad sind. Das war in der Wüste anstrengend. Bei 40 Grad tagsüber sind es nachts halt auch noch 25 Grad. Da bist du dann noch super erhitzt, bekommst deinen Puls nicht runter und kommst gar nicht zur Ruhe. Dann kam am zweiten Tag gleich die Höhe dazu und die Höhe hat noch mal ganz andere Gesetze. Von daher ist es deutlich angenehmer, hier im flacheren, tieferen Land unterwegs zu sein.

Merle: Ist es für euch anstrengender, durch die zivilisierteren Gebiete zu fahren?

Benjamin Haas: Ja, teilweise machen die Ampeln es uns schwer. Da wird man leider ab und zu ausgebremst.

Merle: Wie viel von der Strecke ist geschafft?

Benjamin Haas: Wir hatten heute den 4. Tag, das heißt 96 von 120 Stunden. Das müssten ungefähr 3.950 km sein. Also ziemlich genau 80%.

Merle: Worauf freut ihr euch?

Benjamin Haas: Auf morgen. Morgen noch mal richtig Gas zu geben. Jetzt natürlich auch auf den Schlaf, aber ich bin nicht so gerädert wie die Tage davor. Das liegt vielleicht daran, dass wir relativ normal geschlafen haben letzte Nacht. Klar waren wir um 1 Uhr wieder wach, aber man konnte irgendwie rhythmischer schlafen. Und dann freue ich mich auch auf AtlanticCity, um da ja ein paar Tage mal etwas entspannen zu können. Vielleicht mal 1, 2 Stunden zu schlafen. Gutes Essen und noch ein paar richtig coole Tage mit der Truppe, um das hier alles ausklingen zu lassen. Bei dann hoffentlich dem bestmöglichen Ergebnis.

Merle: Ihr habt noch eine Schicht vor euch, oder?

Benjamin Haas: Genau, für Leif und mich geht es morgen früh um 4 Uhr los.

Merle: Na gut, dann guten Hunger und gute Nacht.

Benjamin Haas: Vielen Dank.

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