Merle: Es war eure offiziell letzte Schicht. Wie geht’s?

Torben Bies: Fühlt sich falsch an im ersten Moment. Man ist hier noch irgendwo im Nirgendwo und kann nicht realisieren, dass das Rennen für einen selber eigentlich zu Ende ist. Eventuell, weil wir knapp davor sind, würden wir noch auf die 6er-Rotation übergehen. Wir haben noch alle Bock und das Nigt-Racecar ist schließlich frei. Daran soll’s jetzt nicht scheitern.

Merle: Ihr hättet in eurer aktuellen Schicht einen Schnitt von 37 km/h fahren sollen. Habt ihr das geschafft?

Torben Bies: Weiß ich nicht genau. Wir waren zuletzt ungefähr bei 36,5 km/h. Jetzt hatte Ralf noch eine 18km Abfahrt, auf der er nur zwischen 70-90 km/h gefahren ist. Das hat den Schnitt nochmal hochgezogen. Ich kann aber nicht sagen, wie weit. Aber wir waren schnell. Schneller ging es nicht. Das Team hat sich aufgerieben. Wir haben auf am Anstieg alle 2 bis 3 Minuten einen Wechsel gehabt. Also nur rausgelassen, vollgas hinterhergefahren, rausgeschmissen, eingesammelt und wieder vollgas.

Merle: Ihr habt so schnell gewechselt, weil es so steil war?

Jan-Ove Wieder (Crew): Ja, teilweise über 10%. Da würde ich mit dem Roller nicht hochfahren wollen.

Merle: Wollte Malte die alte Bergziege das nicht alleine machen?

Torben Bies: Ja, wollte er, aber wir mussten ihn ein bisschen ausbremsen. Wir müssen ja immer ans große Ziel denken und dann mussten wir ihn manchmal eingefangen.

Merle: Ich hätte ihn jetzt zu gerne gefragt, wie es war, die letzten Berge hoch zu radeln.

Torben Bies: Das waren wohl mit die Highlights der Tour hier für ihn. Und warum er nicht hier ist: Matthias hat ein bisschen Brustschmerzen, wir wissen nicht woher. Er hat die letzten Runden schon ein bisschen ausgesetzt, ist auch fraglich, ob er wieder einsteigen kann. Und Malte hat sich bereit erklärt, erst mal weiter mitzufahren. Dann kann er noch jede Steigung da wegkloppen, kriegt noch ein paar extra Berge und unterstützt den Rest. In zweieinhalb Stunden müsste er durch sein, denn jetzt sind Leif und Benny frisch dazugekommen und gegen 8 Uhr kommen noch mal Sören und Clemens.

Merle: Wie seid ihr aktuell davor?

Torben Bies: Wissen wir nicht. Das ist dem geschuldet, weil der Veranstalter sich nicht offiziell gemeldet hat zu der Waldbrandgeschichte, was uns an Zeit noch aussteht. Das müssen wir wirklich sehen, wenn wir ins Ziel gefahren sind.

Merle: Wie seid ihr durch die Nacht gekommen?

Torben Bies: Für mich und Malte war es die erste ganze Nacht, die wir durchgefahren sind. Das hat so Laune gemacht. Die stehenden Wechsel klappten im Team so gut, man kam sich vor wie beim Boxenstopp in der Formel 1. In der Nacht hat man nicht mit der Sonne zu kämpfen und die Straßen sind ein bisschen leerer. Nachteil ist gerade bei Abfahrten, die sindnicht so super ausgeleuchtet. Unsere Lampe am Fahrrad ist zwar schon gut, aber das ist immer noch ein bisschen Restrisiko. Aber auch das blendet man aus und fährt einfach rein.

Merle: Es kommt schon ein bisschen Traurigkeit hoch, dass sich das Abenteuer dem Ende neigt.

Torben Bies: Ich weiß gar nicht, was wir morgen machen. Sören hat noch nichts aufgeschrieben. Wir sind ja völlig hilflos. Aber warte mal. Morgen haben wir alle Berufsschule. Heute Abend werden wir noch gesoffen und getanzen.

Merle: Das hoffen wir doch alle. Was sagen die Beine? Seid ihr kaputt?

Torben Bies: Jetzt geht’s wieder. Wir haben uns da echt abgeschossen. Das waren jetzt auf den letzten 300 km, glaube ich, 4500 Höhenmeter, und davor hatten wir auch schon knapp 2000Höhenmeter. Und die haben die so wegrasiert wie die Bekloppten. Jeder hatte Bock, also das ist Wahnsinn. Jetzt fühlt man sich eigentlich frisch. Ich denke mal, gleich eine Dusche und dann beginnt das Leben wieder. Dann könnte man eigentlich schlafen, aber man wird ja doch am Handy sitzen und die anderen verfolgen.

Merle: Haben ihr noch ein Highlight für mich?

Torben Bies: Alle sind heil geblieben.

Merle: Sehr gut. Dann eine schöne Dusche und wir hören uns später!

Torben Bies: Ja, danke, danke.

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