Merle: Sören und das ganze Team: Herzlichen Glückwunsch zum Streckenrekord beim RaceAcross America!
Sören Sönksen: Ja, ganz vielen Dank, echt. Die mich kennen, wissen, dass ja ich da viel Zeit und Mühe investiert habe und mich das extrem viel gekostet hat. Und dann macht das natürlich umso mehr Spaß, wenn es auch zum Erfolg führt.
Merle: Aber nochmal von vorne. Wenn ich das richtig verfolgt habe, habt ihr seitDonnerstagmorgen unserer Zeit noch keinen regulären Wechsel mehr durchgeführt, sondern habt durchgeballert, oder?
Sören Sönksen: Ja, das stimmt so nicht ganz. Also, wir waren ja sehr knapp im Zeitplan. Mein ursprünglicher Zeitplan war auf die Gesamtzeit von Team Bemer ausgelegt. Wir mussten ungefähr 60 Kilometer mehr fahren als die damals in 2022 aufgrund von Streckenänderungen. So, und 60 Kilometer mehr ist ja ungefähr eineinhalb Stunden mehr bei 40 km/h im Schnitt. Und dann haben wir irgendwann gemerkt, das ist unerreichbar. Ich musste also neu rechnen, was die Alternative ist, um diesen Streckenrekord zu erreichen und da ist eben die Durchschnittsgeschwindigkeit interessant. Das hatte ich aber vorher nicht in meinem Plan. Und ich muss zugeben, wenn man etwas angestrengt ist, wie in so einem Rennen am dritten oder vierten Tag, dann geht das mit dem Rechnen auch irgendwann nicht mehr ganz so einfach. Da habe ich also mehrfach andere Ergebnisse gehabt, was dann natürlich nervösmacht. Wir haben auf unseren Tracker geschaut, der die Kilometer bis zum Ziel anzeigt. Der Tracker beruht auf den Daten des Veranstalters, also ändert sich die Kilometerzahl während des Rennens öfter aufgrund von Baustellen oder ähnlichem. Folglich verändert sich auch die Gesamtzeit, die wir benötigen dürfen für diese 40 km/h im Schnitt. Ich wusste, wir brauchen 40 km/h im Schnitt. 39,9 km/h war die Durchschnittsgeschwindigkeit des Team Bemers. Um denen den Rekord abzunehmen, mussten wir halt mindestens 40 km/h im Schnitt fahren. Und dann habe ich nachher mit jeder Stunde zurückgerechnet, was wir bis zum Ziel haben. Als wirin die letzte Nacht gingen, war klar, dass wir Zeit verlieren werden, weil die Appalachen vor uns lagen. Bis dahin waren wir noch deutlich über 40 km/h im Schnitt. In meinem eigenen Zeitplan standen dort aber 3 Schichten mit 2 mal 35 km/h und 1 mal 30 km/h. Als ich Donnerstagmorgen aufgewacht bin, hab ich als erstes gerechnet. Das erste Ergebnis war 45 km/h im Schnitt. Das schaffen wir nicht, hab ich gesagt. Es wird zwar auch wieder flachere Stücke geben, aber es kommen auch noch reichlich Ampeln. Nach einer halben Stunde hab ich noch mal gerechnet mit dem Ergebnis 42 km/h. Dann dachte ich, rechne ich noch dreimal mehr, dann schaffen wir es leicht. Okay, 42 km/h im Schnitt ist zwar auch echt heftig, aber ich hatte von vor 2 Jahren in Erinnerung, dass wir dort sehr gut durchgekommen sind und es einen Riesenunterschied macht, ob wir nachts oder tagsüber dort langfahren. Autoverkehr und Ampeln können einen sonst ganz schön ausbremsen. Wir sind lange Zeit im Rennen sehr kontrolliert gefahren, aber ab der Nacht hat jeder so doll draufgehauen, wie er nur konnte.
Merle: Dann war ich in dem Punkt ja doch richtig. Alle sind all-in gegangen.
Sören Sönksen: Alle sind all-in gegangen und haben gehofft, es durchzuhalten. Die Nachthaben sie es durchgehalten, auch weil die Supporter jeden Radfahrer beim Wechsel angeschoben haben. Teilweise so doll, dass sie erstmal 2 Gänge hochschalten mussten, um überhaupt weiterfahren zu können. Das war echt richtig, richtig cool. Die letzten 10 Stundenhaben wir uns dann nicht mehr schlau verhalten, sondern sind einfach Vollgas gefahren. Nach 3 Stunden kam Ralf mit dem zweiten Racecar wieder ins Team. Eigentlich hätte er schlafen können, aber er wollte lieber als Joker ein paar Schichten übernehmen. Wir haben ihn natürlich gleich mit einbezogen und haben also mit 5 Racern gewechselt. Jeder hat einfach so lange mitgespielt, wie er konnte, und alle 5 konnten bis ins Ziel.
Merle: Habt ihr euch dann siegessicher gefühlt?
Sören Sönksen: Nein. Jede kleinste Sache hätte uns den Streckenrekord kosten können. Aber ungefähr 4 Stunden vorm Ziel hat der Veranstalter uns die Zeitgutschrift von dem Shuttle-Waldbrand-Umweg endlich mitgeteilt. Eine unfassbar komplizierte Berechnung, aber unter’mStrich standen 16 Minuten Gutschrift. Damit hab ich neu gerechnet und herausgekommen ist, dass wir am Ende 5 Minuten früher im Ziel sind. 5 Minuten sind absolut nicht viel. Drei rote Ampeln und der Rekord wäre weg gewesen. Auch wenn wir nachher in der Ebene ungefähr 300-350 Watt und somit 47 km/h gefahren sind, hätten wir an einer roten Ampel ja auf 0 runter gemusst. Das ist schon heftig, wenn du weißt, dass dir die Zeit davon läuft. Nach der Zieldurchfahrt fragte Benny mich, zu wie viel Prozent ich denke, dass der Veranstalter uns den Streckenrekord ansetzt. Meine Antwort war 50%. Dann kamen wir ins Ziel und der Moderator hat gleich gesagt: „Ihr habt 5 Tage 2 Stunden und 47 Minuten gebraucht und wart somit das schnellste Team, was je durch die USA gefahren ist“. Das war mega, mega geil.
Merle: Ihr konntet jetzt den Streckenrekord setzen, indem ihr eine Durchschnittsgeschwindigkeit von 40,28 km/h hattet, richtig?
Sören Sönksen: Genau. Damit waren wir 5 Minuten schneller als der vorige Streckenrekord. Theoretisch hätten wir bis zu 42 Minuten länger brauchen dürfen, um noch den Streckenrekord zu bekommen. Dann hätten wir eine Durchschnittsgeschwindigkeit von genau 40 km/h gehabt. Mit 40,28km/h waren wir doch deutlich schneller. Wir haben alles erreicht, was wir erreichen wollten.
Merle: War in der letzten Schicht noch gute Stimmung im Auto oder konnte man die Anspannung merken?
Sören Sönksen: Wir hatten echt Friedhofsstimmung, muss man wirklich sagen. Da wurde nicht mehr gelacht. In der Nacht vorher war noch richtig gute Stimmung, aber bei uns war echt heftige Anspannung. Zum Glück saß aber jeder Handgriff. Auch wenn wir das schon 5 Tage lag geübt haben, lief es in Perfektion. Alles was nötig war, hat geklappt.
Merle: Kann man das Gefühl beschreiben, als ihr durch das Ziel gefahren seid oder unter dem Torbogen standet oder während der Siegerehrung?
Sören Sönksen: Das ist natürlich super emotional. Also ja, es war sehr beeindruckend. Hätte ich mehr Haare, würde ich mehr graue Haare haben. Das Rennen ist wirklich etwas, was einen heftig rannimmt. Und davon war ich doch echt überrascht. Das ganze Rennen lief auf Messers Schneide und ich wusste es von Anfang an. Das Ganze hört sich so komfortabel an, wenn nach den ersten 1000 Kilometern ein Schnitt von 40,5 km/h steht. Aber mir war klar, dass der Wind in Kansas nicht gut stehen wird. Wenn der Wind von hinten gekommen wäre, wären wir bestimmt 2 Stunden schneller gewesen oder noch mehr. Dann wäre es eine reinePartyveranstaltung gewesen. Aber so war es eben nicht. Es wurde uns nicht leicht gemacht und das war auch gut so. Ich habe nicht durchgehend daran geglaubt, muss ich ehrlich sagen. Zeitweise war es realistisch betrachtet nicht möglich. Aber ja, am Ende war es doch möglich und dann war es einfach nur geil.
Merle: Was würdest du neben dem Streckenrekord auch noch als Highlight hervorheben wollen?
Sören Sönksen: Das Tollste am Ganzen war das Team. Wir haben keinen einzigen Promi dabei, wir sind alle gleich, wir sind alle Teammitglieder. Ich könnte gar nicht sagen, welcher Fahrer der wertvollste fürs Team war. Das ist auch völlig egal. Das interessiert niemanden, nicht mal uns, weil wir ein Team sind. Jeder hat seine Stärken ausgespielt, die Leichten an den Bergen und die Schweren in der Ebene. Wer besser durch komplizierte Straßenverhältnisse kann, ist in der Stadt mehr gefahren. Wir haben uns einfach super ergänzt. Auch das Supporterteam war absolut klasse. Jeder von denen wurde persönlich eingeladen, weil wir glaubten, dass sie Qualitäten haben, die uns helfen können. Und wir haben jede einzelne davon gebraucht. Das war schon toll. Wir hatten vorher schon gedacht, selbst wenn es mit dem Rekord nicht geklappt hätte, wären wir genauso stolz auf uns, weil es einfach eine mega Leistung war. Es lief einfach perfekt. Ich bin einerseits natürlich mega stolz, dass ich mich als Racer rein körperlich in die Lage gebracht habe, wertvoll für das Team zu sein. Und als Initiator des Ganzen, bin ich natürlich auch super stolz, dass der Plan so aufgegangen ist. Aber wie gesagt, mit dem gesamten Team war das einfach toll. Wir haben nicht mit 8 Leuten gefeiert, sondern mit 17 Leuten, und das ist schon echt cool. 17 Leute waren stolz aufeinander, jeder war dem anderen genau gleich dankbar. Schon ziemlich toll. Zusätzlich liebe ich es, wenn ein Plan funktioniert. Jetzt werden zu Hause viele denken „Jetzt wird er noch unerträglicher“. Ist okay für mich. Der Plan hat funktioniert und das ist schon einfach geil.
Merle: Ihr habt es auf jeden Fall bis zum Schluss verdammt spannend gemacht. Ich saßzuhause und hab gezittert vor Aufregung.
Sören Sönksen: Das stimmt, aber ich war genauso gespannt. Manchmal fahren wir schnell, haben dann 2 rote Ampeln, die uns wieder ausbremsen. Dann fahren wir wieder Vollgas und machen Zeit gut, bis die nächste rote Ampel kommt. Wir waren so sehr von den Ampeln abhängig, dass wir uns selber ermahnen mussten, keine Ampel zu überfahren, weil wir uns keine weitere Zeitstrafe leisten durften. Was auch noch erwähnenswert ist: Dass du zuhausegezittert hast, spricht ja dafür, dass wir euch über Instagram oder auch die Homepage gut mitgenommen haben. Mich und den Rest des Teams hat das auch genauso gefreut, denn wir waren schließlich auch nicht überall, sondern entweder im Racecar oder Wohnmobil. Deswegen haben wir die anderen Racer auch genauso über Instagram verfolgt wie ihr zuhause, um gut informiert zu sein. Dass die Supporter den ganzen Content noch nebenbei aufbereitet haben, ist einfach galaktisch. Wir sind ja nicht umsonst 11.400 Followerinzwischen. Das sind unfassbar viele. Mega gut.
Merle: Was habt ihr nach der Zieleinfahrt gemacht? Wie habt ihr gefeiert?
Sören Sönksen: Wir haben eine gut ausgebildete Crew, die natürlich für exquisit ausgesuchte,isotonische Getränke gesorgt hat. Und haben dann haben wir einfach auf dem Boden gesessen und das schöne Wetter genossen. Manche waren kurz ins Meer gesprungen, weil das Zieleben direkt an der Küste ist. Nach knapp zwei Stunden hat sich der ganze Tross auf den Weg ins Hotel gemacht und da nur noch die Zahnbürste geschnappt und ins Bett gefallen.
Merle: Die Erschöpfung kam dann also doch schnell durch?
Sören Sönksen: Absolut. Die meisten habtten die Nacht vorher komplett ausgesetzt oder nur 2-3 Stunden geschlafen. Dementsprechend lief der Akku ziemlich auf Notstrombetrieb.
Merle: Wie lange hält diese Erschöpfung an?
Sören Sönksen: Das ist tatsächlich verrückt. Beim letzten Mal bin ich bestimmt 14 Tage lang um 19:00 Uhr mit den Kindern zu Bett gegangen. Und jetzt wache ich morgens auf und fühle mich total gut. Das Schwierige an dem Rennen sind nicht die Leistungswerte. Es geht darum, wie widerstandsfähig man ist, also wie gut man mit schlechten Bedingungen umgehen kann. Was kannst du leisten, wenn du nicht optimal versorgt bist? Denn mit jedem Tag wird es schlechter. Du hast jeden Tag weniger Stunden Schlaf. Du hast jeden Tag weniger dein Lieblingsessen. Du hast weniger Erholungszeit. Nach dem ersten Tag habe ich mich gefragt, wie das werden soll. Alle waren komplett so im Eimer. Aber das bat sich von Tag zu Tag wieder aufgebaut. Jeder konnte seine Leistungswerte wieder steigern, weil man denn doch wieder ganze drei Stunden geschlafen hatte und dadurch wieder mehr Energie hat. Das muss man kombinieren mit guter Stimmung im Team und dann ist man zu Dingen fähig, die man sonst viel früher abgebrochen hätte.
Merle: Ich habe gesehen, dass ihr bei der Zieleinfahrt vom Team „No Limits“ wart. Wie war das?
Sören Sönksen: Das haben wir einfach aus sportlicher Kollegialität gemacht, fanden wir einfach cool. Man muss ehrlicherweise sagen, dass wir die nie als Konkurrenzteam gesehen haben, weil wir einfach unterschiedliche Ziele hatten. Wir finden die trotzdem cool und haben Bilder mit denen gemacht. Wir hatten auch Pizza und Bier mitgenommen, über die die sich auch sehr gefreut hatten. Ein kaltes Bier aus einer Glasflasche ist in Amerika doch eher schwer zu finden. Und außerdem ist es schon cool, wenn 17 Leute im gleichen Anzug brüllen, während man ins Ziel fährt. Beim RAAM steht sonst keiner. Es ist immer ein einsames Rennen, so ein Ultracycling. Aber wir hatten immer das Gefühl, dass uns 11.000 Leute folgen, und das war ja auch so. Unsere Follower sind keine Eingestaubten, die schon immer da waren, sondern die sind jetzt da, weil sie genau jetzt sehen wollen, was wir machen. In 8 Wochen ist das eben auch alles wieder vorbei, da guckt kein Mensch mehr drauf. Und das ist auch ok.
Merle: Ich hatte ganz viele Kommentare von Personen gelesen, die RAAM ursprünglich wegen Team „No Limits“ verfolgt haben, dann aber bei euch kleben geblieben sind, weil sie bei der Mission Streckenrekord dabei sein wollten.
Sören Sönksen: Uns haben auch viele angeschrieben und nochmal nach unserer Tatik oder allmöglichen anderen Dingen gefragt, weil sie eben erst später dazu gestoßen sind. Ich meine, es ist ja auch cool, wenn irgendwas interessant zu beobachten ist.
Merle: Was macht ihr jetzt noch bis zum Rückflug?
Sören Sönksen: Unsere Supporter waren so nett und haben heute die Wohnmobile zurückgebracht. Das ist immer ein Riesenproblem, dass die one-way gemietet sind und man den Abgabeort nicht aussuchen kann. Wir sind aber kostenoptimiert und mussten die deshalb „nur“ nach Washington zurückbringen, das leider trotzdem 4 bis 5 Stunden entfernt ist. Wir haben Radkartons besorgt, weil die Fahrräder wieder auseinandergeschraubt werden müssen.Und dann haben wir das Glück, 2 Tage Urlaub zu haben. Morgen wollen einige nach New York und übermorgen gibt es vielleicht eine kleine Bootstour. Das haben wir letztes Mal auch gemacht, das war super toll. Dienstagmorgen muss alles eingepackt werden, alles in die Fahrzeuge verladen werden und dann ab zum Flughafen in Philidelphia. Ja, und dann gibt’s Samstag eine hoffentlich coole Nachbesprechung für jedermann auf dem GreenTecCampus in Sande (weitere Infos weiter unter).
Merle: Meine letzte Frage: Was möchtest du abschließend noch loswerden zum RAAM 2026?
Sören Sönksen: Ich bin mega stolz, dass ich geschafft habe, so ein tolles Team um mich herum zu versammeln. Jeder Einzelne ist nicht zufällig hier dabei gewesen, sondern es ist immer aus der Gruppe entschieden worden. Die Gruppe ist klein gestartet und dadurch immer größer geworden. Aber jeder Einzelne ist per Einladung ins Team gekommen, jeder Einzelne hat seine Funktion gehabt und das hat einfach hervorragend geklappt. Das ist einfach megacool. „One Team – one Goal“ ist erst hier drüben entstanden, aber das hat einfach so was von perfekt zu uns gepasst. Es war einfach ein super Teamspirit vorhanden, den vergisst man nicht. Ich habe auch immer wieder Tränen in den Augen. Es war einfach richtig cool. Bin ich schon stolz drauf, ein Teil des Teams gewesen zu sein.
Abschließende Fragen an alle Racer
Merle: Kannst du das Gefühl beschreiben, als ihr durch das Ziel gefahren seid?
Ralf Petersen: Eine gewisse Erleichterung, dass wir das geschafft haben, dass alles so aufgegangen ist, wie erhofft. Ja, und auch ein bisschen die Freude darauf, sich endlich wieder zu regenerieren und nicht mehr ständig in Wohnmobilen unterwegs zu sein.
Matthias Seismann: Ich würde sagen, unbeschreiblich. Man hatte am Ende schon ein bisschen daran gezweifelt, dass alles so aufgeht, wie Sören das geplant hatte. Ich war mir echt unsicher, ob es wirklich reicht. Letztendlich hatten wir das Ziel Streckenrekord, aber wenn es nicht geklappt hätte, wäre ich nicht unbedingt traurig gewesen. Ich fand, wir haben eine super Performance hingelegt, wir haben uns alle super verstanden.
Clemens Lange: Ja, war okay. Klingt jetzt dumm, aber ich wäre gerne auch noch länger gefangen. Nein Spaß, es war sehr erleichternd. Gerade als der Moderator gesagt hatte, dass wir den Rekord geschafft haben. Das war dann schon ein großes Durchatmen. Die letzten Stunden hatten wir uns ja doch ziemlich aufgerissen, weil die Jungs in der Nacht in den Appalachen ordentlich was vorgelegt hatten und wir in der Abschlussschicht genauso weiterziehen wollten. Die Strecke war nicht auf unserer Seite am Ende, so viele rote Ampeln hab ich in meinem Leben gefühlt noch nie gesehen. Und Kirschgrün kann man sich da nicht mehr erlauben, genauso wenig wie ein doppelter Rechtsabbieger. Wenn das ein Referee gesehen hätte, wären wir aber sofort disqualifiziert gewesen. Dementsprechend hieß es bei jeder roten Ampel komplett auf null runterbremsen, wieder komplett neu antreten. Und als wir dann im Ziel waren und das ganze Rechnen ein Ende hatte und du gehört hast, „es hat gelangt“, da war man schon mächtig froh.
Malte Dietz: Es hat sich erst mal surreal angefühlt, weil wir nicht, ob wir geschafft haben oder nicht. Als dann klar war, dass wir den Rekord haben, hab ich mich gefreut, aber es ist auch eine große Last abgefallen. Ich habe mich so richtig befreit gefühlt und aber mich auch gefreut.
Torben Bies: Das ist eigentlich geil, macht einen stolz. Ist natürlich nicht so ein Zieleinlauf, wie man sonst kennt, weil da keine Fans sind. Das ist leider so, aber damit hatte man gerechnet. Es war aber schön, dass wir alle 8 noch mal zusammen gefahren sind. Wir sind von dem Punkt, wo die Zeit gestoppt wird, bis zum Ziel und Siegerpodest nochmal in Kolonne gefahren. Sonst ist man die ganzen Tage halt immer alleine gefahren. Und deswegen war das nochmal ziemlich cool.
Benjamin Haas: Ich würde sagen, das Besonderste war, als der Moderator erwähnt hat, dass wir es geschafft haben. Das war so das Heftigste und der schönste Moment dann. Das war schon ein ziemlich cooles Gefühl, einfach zu wissen, dass man das jetzt geschafft hat. Nach den krassen Anstrengungen, die wir da 5 Tage lang durchgemacht haben. Alle, wirklich alle 17 Leute. Aber auch die Tage davor waren schon echt zehrend, muss man sagen. Mit dem Aufbau der Autos und es musste so viel noch besorgt werden. Es war viel zu tun. Es waren 5 Renntage plus mindestens 2 auch richtig anstrengende Tage.
Leif Johannsen: Ich hatte das Glück, den letzten Streckenabschnitt fahren zu dürfen – und damit auch über die offizielle Ziellinie zu fahren, an der die Zeitmessung gestoppt wurde. Das war eine Riesenverantwortung. Es ging um jede Sekunde, und wir wussten einfach nicht, ob es für den Streckenrekord reicht. Die offizielle Streckenlänge war nicht klar kommuniziert worden, und ob die Umleitung angerechnet wird – und in welcher Höhe – das wusste keiner. Also hab ich auf den letzten Strecken einfach alles gegeben. Dann ging’s über einen Zebrastreifen, und da haben wir uns erst mal kurz gefeiert – aber eigentlich wussten wir selbst noch nicht, ob’s gereicht hat. Dann sind wir alle acht zusammen, die letzten 1,6 Meilen zur richtigen Ziellinie gerollt, wo der Kommentator und der Zielbogen standen. Und der hat dann gesagt: Ihr habt den Rekord gebrochen. Da brach die Freude aus. Wir haben es tatsächlich geschafft – obwohl wir eine Zeitstrafe bekommen hatten. Bis zu dem Moment war keinem von uns wirklich klar, ob es reicht oder nicht. Und genau deshalb war es eine solche Erleichterung. Nach all den Zweifeln und den harten Tagen.
Merle: Deine abschließenden Worte zum RAAM 2026. Was möchtest du noch loswerden?
Ralf Petersen: Dass ich unglaublich dankbar bin, dass ich bei dem Projekt dabei sein durfte, dass alles so astrein funktioniert hat. Das ist ja ein Geniestreich, der geklappt hat, will ich mal sagen. Ja, also unglaubliche Momente gehabt und einfach echt eine tolle Zeit gehabt, die unvergesslich bleibt.
Matthias Seismann: Perfekt beschreibt es ganz gut. Wir hatten im Racecar einfach immer super Stimmung. Wenn es doch schlechte Stimmung gab, hat der Schichtwechsel mit den frischen Leuten die Stimmung gleich wieder hochgezogen. Das war schon wirklich unglaublich. Von meiner Seite aus war das wirklich perfekt. Dann auch den Streckenrekord geschafft zu haben, ist natürlich unbeschreiblich. Der wird auch erst mal lange bestehen bleiben. Ich glaube nicht, dass der Rekord gleich im nächsten Jahr wieder gebrochen wird.Das war einfach eine unbeschreiblich tolle Leistung.
Clemens Lange: Das war atemberaubend. Teil von diesem gesamten Team zu sein und wie sich alles fügt, das ist schon Wahnsinn. Primär hatten wir nur auf WhatsApp kommuniziert. Als wir das erste Mal in Dänemark waren, hat sich die Gruppe ja erst so richtig kennengelernt und zusammengefügt und man merkte sofort, das passt. Und jetzt in Amerika, wo sich alles komplett zusammengesetzt hat und dieser Plan aufgegangen ist, ist es einfach nur toll. Alles lief Hand in Hand, wie bei einem Team, was sich schon hammerlange kennt. Was aber bei uns aber gar nicht stimmt. Bei den paar Treffen, die wir am Anfang in Schwesing beim Zeitfahren hatten, konnten leider auch nicht alle vor Ort sein. Selbst nach den 3 oder 4 Präsenzterminen, die wir sonst noch hatten, kann man nicht davon ausgehen, dass das ganze hier so unfassbar gut und eingespielt funktioniert. Ja, das hier ist einfach eine hammergeile Erfahrung gewesen,während der man auch viele neue Freunde gefunden hat. Das ist etwas, das ein Leben lang bleibt. Zum einen die Erfahrung und zum anderen auch die neuen Menschen, die man kennenlernen durfte. Das ist schon hammercool. Werde ich noch häufig dran zurückdenken dürfen.
Malte Dietz: Es ist natürlich unglaublich, was wir da geschafft haben und richtig greifbar ist es noch nicht. Ich glaube, es muss ein paar Tage sacken. Das ist schon was wirklich Besonderes, und da bin ich echt auch stolz auf mich, aber vor allem auf das ganze Team, dass alle so zusammengearbeitet haben, dass alle durchgezogen haben. Niemand hat den Kopf in den Sand gesteckt, auch wenn es hieß, dass wir es vielleicht nicht schaffen. Alle haben immer weiter Gas gegeben und sich gegenseitig gepusht. Ich bin echt dankbar dafür, ein kleines Zahnrad dieser Maschinerie gewesen zu sein. Da werde ich meinen Enkelkindern noch von erzählen. Das sind so viele tolle Erinnerungen. Klar, das ist ein Weltrekord, aber einfach auch darüber hinaus nehme ich noch extrem viel mit. Und da bin ich echt dankbar dafür, dass ich das alles so erleben durfte. Was man natürlich auch sagen kann: Es war schon echt brutal anstrengend, vor allem die letzte Schicht. Am Anfang sind wir sehr kontrolliert gefahren, aber am Ende hat man wie bei einer Zahnpastatube alles aus sich herausgequetscht. Ich war komplett im Eimer, als ich meinen letzten Turn gemacht habe, da ging gar nichts mehr. Das war schon wirklich auf der Felge ins Ziel.
Torben Bies: Ich möchte mich bei allen bedanken, Racern, Crew und Nora, die zuletzt dazugekommen ist. Das ist auch nicht selbstverständlich, sie hätte ihren Urlaub auch anders gestalten können hier drüben. Ich finde es geil, dass so viele unterschiedliche Charaktere zusammengefunden haben für ein großes Ziel. Auch diese Möglichkeit zu haben, ist toll. Once in a lifetime, oder wie sagt man? Ich wüsste auch nicht, wie man das hier noch toppen könnte. Es gibt wohl ein Rennen einmal um Australien rum, aber das kam hier in der Runde noch nicht so gut an. Wir sind offen für Ideen! Es ist ja auch so, dass wir uns nach dieser Geschichte immer noch alle vertragen. Deswegen, hoffentlich more to come.
Benjamin Haas: Dankbarkeit, dass alle so an einem Strang gezogen haben und das bis zum Schluss. Hätte einer nachgelassen, hätten wir es nicht geschafft, muss man ganz ehrlich so sagen. Es war für alle sehr zehrend, für die Autofahrer gar keine Frage. Schon echt cool, dass Sören und Jonas da so eine Truppe auf die Beine gestellt haben.
Leif Johannsen: Nach all dem Zweifeln, ob es reicht oder nicht – dass wir es am Ende wirklich geschafft haben, das zeigt vor allem eins: Es war eine riesen Teamleistung. Wir haben alle zusammengearbeitet, und ohne diese großartige Crew hätten wir das in der Form niemals geschafft. Dafür möchte ich mich an dieser Stelle noch mal bei allen bedanken.
Rennrückblick:
Am Samstag, 04.07.2026, wird es auf dem Green Tec Campus einen Rückblick vom RaceAcross America geben. Von 17:00 bis 19:00 Uhr werden die Radfahrer und auch die Crew von diesen außergewöhnlichen 5 Tagen erzählen und Bilder und Videos zeigen. Es wird um eine Anmeldung per PayPal (10€) gebeten, um genügend Getränke und Snacks bereitzuhalten. Den Link zur PayPal-Spende findet ihr auf dem Instagramprofil„sve_ultracycling“.


